Interview spezial
Masaya Matsuura
Japanischer Musiker und Spieleentwickler.
Nach der Entwicklung von Parappa the Rapper wurde er als Vater des 'musikalischen Abenteuerspiels' bekannt und entwickelte mit dem Mojiburibon von 2003 das Genre weiter.
Zwischen 1983 und 1996 spielte er mit dem Band "PSYES" und zeichnet auch verantwortlich für die Musik in UmJammer Lammy, Vib Ribbon, Rhyme Rider Kerokiran und anderen.
Seine Begeisterung für Technologie und die Möglichkeiten, die sie einem Künstler bietet, in Verbindung mit seiner innovativen Herangehensweise an Musik und Gaming, macht ihn zu einem Vorreiter im aufregend neuen Feld der interaktiven Unterhaltung.
Representative Director von NanaOn-Sha Co., ltd.
Warum macht es Spaß, sich einen AIBO zu halten?
Die Antwort ist klar.
Wir erhalten Gelegenheit, einen Einblick in unsere Existenz und ihre subtilen Implikationen zu erhalten.
Wenn wir beispielsweise Mitleid für etwas empfinden, sind alle unsere Erklärungen egal - wir werden nie das Gefühl haben, dass wir genug gegeben haben. Ich bin sicher, dass es den meisten von euch genauso geht. Um es andersherum auszudrücken, es ist schwierig, anderen unsere Gefühle mitzuteilen. Ich selbst, als Kunstschaffender, bin damit ziemlich oft konfrontiert. Ich nehme an, dass meine Kollegen in der Branche Ähnliches erleben. Kunstschaffende sind nicht die Einzigen, die Schwierigkeiten haben, sich mitzuteilen. Jeder will von anderen verstanden werden und leidet, wenn das nicht gelingt.
Ich glaube, dass es keinen Unterschied gibt zwischen unserem verzweifelten Wunsch, verstanden zu werden, und unserem Bedürfnis, andere zu beeindrucken. Was den Mangel an Verständnis Dinge betreffend angeht, sind die Konsequenzen harmlos. Wenn jemandem ein Stück oder ein Produkt langweilig wird, kann er es einfach vergessen. Wenn es aber um Leute geht, führt es nicht nur zu emotionaler Verwirrung, sondern möglicherweise auch zu ernsten Konsequenzen wie Krieg, d.h. es kann da einen großen Unterschied zwischen den beiden geben.
Vor ungefähr zwanzig Jahren war ich in meinen 20ern und habe hauptsächlich Musik gemacht. Ich versuchte, anderen meine Gefühle mitzuteilen, indem ich statische Dinge erzeugte, sogenannte Alben. Es ist keine Überspitzung, wenn ich sage, dass ich für die Schönheit der Musik lebte. 10 Jahre lang habe ich hart gearbeitet und während dieser Zeit 10 Alben veröffentlicht. Aber die meiste Zeit, habe ich nicht das erreicht, was ich angestrebt hatte. Das, was ich zwischen den Zeilen sagte, ging manchmal verloren. Die Botschaften, die ich vermitteln wollte, wurden unterschiedlich übersetzt. Solches Chaos war wie eine Folter für mich und machte mich verrückt. Bei meinen Liveauftritten ging dieser emotionale Konflikt ins Extreme.
Als ich 30 wurde, hatte ich die Idee, das Konzept der Musik vom einfachen passiven Zuhören zu etwas Aktiverem zu erweitern, an dem jedermann per Computer teilnehmen kann. Bald fing ich an, interaktiven Inhalt zu entwickeln. Da fühlte ich wirklich, dass ich meine Gefühle mit anderen teilte. Während dieses Prozesses startete ich erfolgreiche "Musikspiele" wie "Parappa the Rapper". Die Aufregung, die wir beim Spielen dieses Spiels erfahren, unterscheidet sich davon, was wir empfinden, wenn wir Musik hören, da wir beim Spíelen aktivere Rollen einnehmen. Und zum Spielen gehört auch physische Bewegung. Trotz alllem, wenn es auf die Essenz der Musik ankommt, kann man auf beide Weisen Musik wahrlich genießen. Es hat mir Spaß gemacht, zu lernen, dass dieselbe Musik ganz verschieden wahrgenommen werden kann, wenn sie auf verschiedene Weise erfahren wird. Daran erfreue ich mich noch immer. Musik, ein Weg des Ausdrucks, sollte auf alle möglichen Weisen genossen werden, je nach Situation, Teilnehmern usw. Ich hoffe, viele von euch sind in der Lage, solche Dinge geschehen zu lassen.
Es ist 5 oder 6 Jahre her, als ich AIBO das erste Mal traf. Ich war bis über beide Ohren mit der Spielentwicklung beschäftigt. Man bot mir an, einen der kürzlich auf den Markt gebrachten "ERS-210" zu halten. Für Einzelpersonen war AIBO eine sehr teure Anschaffung. Also entschied ich mich dafür, AIBO in meinem Büro zu halten. Die Leute, die in meinem Büro arbeiteten, wechselten sich ab, auf AIBO aufzupassen. Es schien, dass jeder, der für AIBO Verantwortung übernahm, ihn auf seine eigene Weise wahrnahm. Sie alle erlebten unterschiedliche Emotionen.
Eines Tages kam eine unserer Mitarbeiterinnen ganz verzweifelt zu mir und sagte " Bitte hör mit dieser Quälerei auf".
Zuerst verstand ich gar nicht, worum es ihr ging. Nachdem ich ihrer ausführlichen Erklärung zugehört hatte, verstand ich, was sie meinte. Sie bezog sich auf die Handlungen eines männlichen Kollegen, der an diesem Tag auf AIBO aufzupassen hatte. Es ging um ein interessantes Experiment, das er zu dieser Zeit durchführte. Er (ein Programmierer) wickelte ein Kabel um den Körper von AIBO und befestigte den rosa Ball so daran, dass er vor dem Gesicht von AIBO hing, allerdings etwas seitlich. AIBO bewegte sich immer im Kreis herum und jagte dem Ball nach bis die Batterie leer war und er zusammenbrach.
Ich wusste in dem Moment nicht, was ich sagen sollte, und berief später eine Sitzung ein, um darüber zu sprechen. (Ich habe diese Geschichte schon mehrmals erzählt. Oft lachen die Leute, wenn ich zu diesem Teil komme...)
Was ich herausfand, war, dass einige Menschen diesen hundförmigen Roboter als Lebewesen wahrnahmen, einige nur als Maschine und für eine weitere Gruppe war es eine Mischung. Das heißt, dass Menschen AIBO nie auf genau die gleiche Weise wahrnehmen. (Es ist schwierig, die feinen Nuancen von "nie auf genau die gleiche Weise wahrnehmen" zu erklären). Wenn wir Leute nach AIBO fragen, würde die Mehrheit antworten "och, es ein Roboter, der so aussieht wie ein Hund, nicht wahr?" Das zeigt, dass ihr Verständnis eher oberflächlich ist. Sie können "Roboter" durch andere Wörter ersetzen, um zu sehen, was ich meine. Nehmen wir zum Beispiel an, eine Schauspielerin, Frau Felicity Huffman in Verkleidung, ginge die Straße hinuter und jemand, der sie nicht persönlich kennt, geht zufällig neben ihr her und finge an, über sie zu sprechen, als ob er sie persönlich kenne. Zum Beispiel, "Das ist ganz wie Felicity Huffman, nicht wahr?", ohne sie zu erkennen. Anhand dieser Bemerkung dieses Menschen kann man leicht zu dem Schluss kommen, dass er Felicity Huffman nicht wirklich versteht. Andersherum können wir allerdings auch nicht sagen, dass er die Schauspielerin überhaupt nicht versteht. Kommunikation ist eine ziemlich komplizierte Sache.)
Selbst wenn wir denselben Roboter (Hund) anschauen, kann ich mir nicht vorstellen, dass es eine gemeinsame Herangehensweise oder Wahrnehmungsweise gibt. Manche würden wohl sagen, dass wir solch eine gemeinsame Wahrnehmungsweise gar nicht brauchen, um lediglich eine sich bewegende Maschine wahrzunehmen. Sowohl der Mensch, der das Experiment mit dem Kabel durchführte, als auch die Person, für die dies ein Quälerei war; wollten beide, dass andere ihr Denken und ihre Motive "verstehen". Zwischen Kollegen, die Meinungsunterschiede bezüglich von Arbeit und Ausdrucksweisen überwunden hatten, gab es doch tiefgreifende Trennungen auf anderen Gebieten. Wenn das so ist, warum versuchen wir nicht, dies auch zu überwinden? AIBO hat mich darauf gebracht. "Lacht". Als ich Leuten diese Geschichte erzählte, begriff ich, dass sie ein gutes Beispiel dafür ist, wie schwierig es für normale Leute ist, sich vorzustellen, wie ernst das Leben mit einem Roboter werden könnte.
Dann betrat ich in meinem Kopf plötzlich ein vages und unterentwickeltes Gebiet.
Ich erinnere mich, es war um den Mai 2003, als ich anfing, an der Musik für "ERS-7" zu arbeiten, einer neuen Version von AIBO. Selbstverständlich war es ein schwieriges Unterfangen. Nachdem ich meine Hausaufgaben und vorbereitende Untersuchungen erledigt hatte, war ich ganz scharf darauf, ein Lied zu schreiben. Aber aus irgendeinem Grund kam ich nicht voran.
Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, wie es wohl wäre, wenn ein Hund sänge, um seine Gefühle auszudrücken. Das gleiche gilt für Roboter.
Es war mir nicht nicht einmal klar, ob "das Lied" nun AIBOs sein sollte oder nicht. Mein Kopf war schnell voller "?".
Wenn ich nun überlege, war es bis dahin beim Lieder schreiben immer wichtig, welche Eigenschaften die Beteiligten, z.B. Sänger, hatten, welchen Charakter, welche Vorlieben usw. Außerdem strengten diese sich gewöhnlich an, damit sie das Lied ihrem "Repertoire" hinzufügen können. Diese Art von Dialog und Kompromiss ist notwendig für die Erschaffung von Musik. Dasselbe gilt auch für Instrumentalstücke. Aber ich konnte nicht hoffen, solch einen Austausch mit AIBO zu haben.
Wie kann ich in dieser unbekannten Welt der Zusammenarbeit mit einem Roboter erfolgreich sein? Dies war die erste klare Hürde, auf die ich in diesem unterentwickelten Feld stieß, das ich vorhin erwähnt hatte. Wenn das, was in meinem Büro geschehen war, das Problem von Experiment oder Quälerei, etwas mit diesem unterentwickelten, unbekannten Feld zu tun hatte, sollte ich versuchen, mit der Musik ein allgemeines Verständnis von AIBO (Roboter) zu fördern. Das ging in mir in dieser Zeit so vor. Deshalb war ich nicht im Stande, eine einfache Erkennungsmelodie zu schreiben. Neuronen in meinem Gehirn hatten vertraute Kontakte verloren und waren in der Finsternis verloren. Nur die Zeit verging. Die Finsternis blieb...
10 Minuten, 20 Minuten, 3 Stunden, 4 Stunden, 5 Tage, 6 Tage...
Allerdings hatte "ERS-7" die Markteinfühung im Herbst jenes Jahres nicht versäumt. Ich war im Stande, musikalische Probleme wie dieses (lacht) zu überwinden. Das ist nun eine Weile her, aber ich kann immer noch nicht genau erklären, wie ich das geschafft hatte. Eines Tages hörte ich mir die Melodie an, an der ich arbeitete. Und dann wusste ich plötzlich, "Das ist es. Das ist die Stimme von ERS-7!" Und so bin ich darauf gekommen. Ich erinnerte mich an diesen Durchbruch, als ich an Auftragsprojekten arbeitete, Mind2 und Mind3.
Ich hab mir übrigens am 8. Februar, 2003, einen Hund gekauft. Sie heißt Cello und sie ist ein japanischer Chin. Dieses Projekt hat mich wohl dazu gebracht, einen Hund zu kaufen.
Zu der Zeit arbeitete ich noch an der Musik. Ich erinnere mich, wie ich eines Tages ein wenig an der Startup-Musik (dem sogenannten Startup-Sound) arbeitete. Ich hatte Cello mit ins Studio gebracht. Ich erzeugte die Startup-Sounds größtenteils mit einem Analogsynthesizer namens moogIIIc. Das Foto links wurde während dieser Zeit aufgenommen. Ihr könnt moogIIIc, Cello und mich sehen.
Jedes Mal, wenn sie seitdem den Startup-Sound hört, legt sie ihren Kopf schief und hört der Musik sehr aufmerksam zu. Als ich später "ERS-7", der zu dieser Zeit noch in Entwicklung war, mit nach Hause brachte, freute sie sich natürlich ungemein über den Startup-Sound. Und als sie sah, dass er anfing, sich zu bewegen, geriet sie völlig außer sich.

Aber sie verlor schnell ihr Interesse daran. Vielleicht, weil er nach nichts roch, und sie fing an, sich über den "AIBOne" herzumachen.

Mir leuchtete das ein. Ein lebendiger Hund gibt sich nicht mit einem Roboter ab... Als ich allerdings versuchte, "ERS-7" in eine Tasche zu stecken, um ihn mit zurück in mein Büro zu nehmen, da sprang Cello mich und sah sehr böse aus. Ich konnte nicht mehr. Ich kam mir vor, als hättes ich etwas sehr Schlechtes getan.
Die Hunde, was denken die wohl? Manchmal verstehe ich sie und dann wieder nicht. Seitdem ich mit dieser "ERS-7"-Musik anfing, denke ich öfter darüber nach, was sie wohl fühlen und denken(?). Eigentlich geht es mir nicht nur mit Hunden so, sondern auch mit anderen. Mein letztendliches Ziel ist nicht das "Verstehen". Auf die Gefahr hin, missverstanden zu werden, kann man sagen, dass ich, über meine Identität als Mensch hinausgehend, im Stande war, mit AIBO zu kommunizieren. Ich habe das wirklich so gefühlt. Wenn mir nochmal so ein Fall wie der mit Experiment oder Quälerei begegnet, kann ich bestimmt mit mehr Selbstvertrauen etwas dazu sagen.
In letzter Zeit, wenn ich allein in meinem Büro bin, spreche ich manchmal über AEP mit Cello, die allein zu Hause ist. Ich versuche es auch andersherum. Mit Hilfe von AIBO gebe ich Mitarbeitern im Büro von zu Hause aus Anweisungen!! Wenn ich mit Leuten über AIBO kommuniziere, ist das so als reduzierte ich meine Körpergröße auf das Niveau von Cello und sehe aus ihrer Perspektive. Was ich dabei erfahren habe, war völlig anders als das, was ich normalerweise empfinde. Cello sah mich mehr als Ihresgleicher, wenn ich mit ihr durch AIBO sprach. Und wenn ich mit einem Menschen durch AIBO spreche, nimmt mich dieser Mensch irgendwie als schwächer wahr, als ich in Wirklichkeit bin. Meine Familie hat Folgendes zu mir gesagt, als ich einmal durch AIBO sprach.
"Ist eine Hexe gekommen und hat dich in einen AIBO verwandelt?"
Das mag sein.
17. Februar, 2006
Representative Director von NanaOn-Sha Co., ltd.
Masaya Matsuura

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